TRYFACTORY in der NRZ - Kein DSL auf dem Land?
Lange Leitung - Kein DSL in Walbeck? NRZ: 22-07-2005
Warum das weltweite Datennetz in Dörfern wie Walbeck ganz langsam ist.
Am 4.Juni hat die Nordseeinsel Baltrum groß gefeiert. Seit diesem Tag im Juni können Insulaner und Touristen schnell ins Internet. Mit einer Geschwindigkeit, die man heute erwartet. Schneller Seitenaufbau, Multimedia. DSL heißt das Zauberwort, dass das möglich macht. Drei Buchstaben, an denen Michael Zweigle, Unternehmer aus dem Spargeldorf Walbeck, verzweifelt. Im Gegensatz zu der Nordseeinsel ist der Niederrhein an einigen Stellen immer noch Entwicklungsland, was die Datenkommunikation angeht. Walbeck, Hartefeld, Vernum, Borth - kleine niederrheinische Dörfer und weiße Flecken im Ausbaugebiet der schnellen Datenübertragung der Telekom.
Zeit ist Geld. Das gilt auch oder vor allem für einen Unternehmer, der seinen Lebensunterhalt mit Dienstleistungen rund ums Internet verdient. Das sollte einen schnellen Webzugang voraussetzen. Den hätte Zweigle, Geschäftsführer der Firma TRYFACTORY, eine Agentur für Internetdienstleistungen, gern.
Wenn Michael Zweigle Kundendaten auf den Servern, die in Karlsruhe stehen, hochlädt, dauert das bei Ihm länger als bei anderen. "Zeit, die ich produktiver nutzen könnte." Um etwa an einem neuem Auftrag weiterzuarbeiten.
Normal wären zwei bis drei Minuten, bis das große Datenpaket angekommen ist. Zweigle braucht eine halbe Stunde.
Zu weit ab vom Schuss
Alles, weil Walbeck, was das Internet angeht, noch in der Modem- und ISDN-Zeit surft. Der Grund ist schnell erklärt: Das Spargeldorf ist zu weit ab vom Schuss. Der Niederrhein hat eine zu lange Leitung. Und Walbeck, genau wie die übrigen Ortsteile Gelderns, liegt zu weit von der letzten Vermittlungstelle entfernt. Genau wie die großen Firmen im Krefelder Gewerbegebiet Fichtenhain. Das wird erst jetzt erschlossen.
Der Blumenhändler kurz vorm Ortseingang kommt noch rein, dahinter ist Schicht. Auch für den Internet-Unternehmer. Seit der Geschäftsgründung Ende 2000 hat sich der heute 36-Jährige einen Stamm von rund 70 internationalen Kunden aufgebaut. Seit einem Dreivierteljahr brummt das Geschäft endlich wieder. Viel Arbeit, wenig Zeit. Es muss schnell gehen. Zweigle kann sich kein Schneckentempo leisten.
„Um die Server im Auge zu haben, muss ich schon ständig online sein“, sagt er. Den Pauschalzugang über ISDN, die Flatrate, gibt´s seit 2 Jahren nicht mehr. SDSL, ein extra schneller Zugang für Firmen, ist für seine kleine Unternehmung zu teuer. „Das alles ist wirtschaftlich für mich nicht mehr tragbar.“ Überlegungen den Firmensitz nach Straelen zu verlagern, hatte er schon. „ Dort hab´ich DSL.“
Aber die Rettung naht, in Form der Initiative dsl-walbeck.de, die sich gerade formiert, um auch in den Genuss von Breitband, Internet-Telefonie und Multimedia zu kommen. Mit dabei ist Stefan Bellgardt. Er versteht den Ärger. Auch er lebt in Walbeck, hat ebenfalls kein DSL. Als Fraktionschef der FDP versucht er, auf seine Art Dampf zu machen. Mit einem Antrag an der Rat der Stadt. Der Bürgermeister sollte das Thema DSL bitteschön zur Chefsache machen. „Die CDU forderte kürzlich die Rahmenbedingungen“, formulierte der Liberale.
Bellgardt blickt nur ein paar Kilometer den Niederrhein weiter, nach Issum. Dort hat sich der Bürgermeister persönlich für den Breitband-Zugang eingesetzt. Mit Erfolg. Seveln ist am Netz, Issum folgt im Herbst. Gelderns Bürgermeister fühlte sich zunächst nicht zuständig. „Wir verlegen ja auch keine Telefonkabel“ Ulrich Janssen. Jetzt soll es nach den Ferien ein Gespräch mit der Telekom geben.
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